Die Galerie

11. August bis 26. September 2018

Jagd in der Wiener Unterwelt

Annika Siems – Zeichnungen zu Graham Greene "Der dritte Mann"

Eigentlich ist ein Buch ja dazu da, dass man ihm eine Geschichte entnimmt. Es gibt aber auch Bücher, deren Entstehungsumstände ihrem Inhalt in nichts nachstehen. Ein solches Buch ist Graham Greenes Roman „Der dritte Mann“. Buch? Das war doch ein Film! Mit Orson Welles in der Hauptrolle, dessen Gesicht man nach diesem Film nie mehr vergessen konnte. Und dann diese Zittermusik, die einem immer wieder gruselige Bilder vor das innere Auge zaubert, wenn man sie zufällig im Radio hört. Der einfache Wiener Heurigenmusiker Anton Karas wurde seinerzeit durch sie über Nacht zum Weltstar.

Tatsächlich schrieb Graham Greene zuerst eine skizzenhafte Erzählung als Basis für ein Drehbuch, das in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Carol Reed ausgefeilt und von diesem verfilmt wurde, dann erst entstand das hier vorliegende Buch, das nicht 1 : 1 dem Film entspricht, denn die Literatur bietet eben doch viel mehr Möglichkeiten als ein zeitlich limitierter Film. 1949 hatte der Film in London Weltpremiere, 1950 erschien das Buch, 1951 beim Züricher Artemis Verlag die deutsche Übersetzung.
2016 veranlasste der Wiener Zsolnay Verlag eine Neuübersetzung des Romans durch Nikolaus Stingl, und die Büchergilde beschloss, diesen Text als illustriertes Buch zu verlegen. Als Illustratorin wurde die 1984 in der Nähe von Hamburg geborene Annika Siems ausgewählt, die nach dem Studium an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg sowie an der École nationale supérieure des arts décoratifs, Paris, als freischaffende Künstlerin arbeitet.

König im Boot

Im Kabinett

Klaus Süß – Kleine Modelle für große Plastiken

Seit Jahren stechen mir bei jedem Besuch in Klaus Süß‘ Chemnitzer Atelier kleine, meist farbig angelegte Plastiken ins Auge, die etwas sehr Leichtes, Unfertiges verströmen.
Dieser Eindruck besteht zu Recht, denn es handelt sich sozusagen um plastische Skizzen, die der Künstler fertigt, um z.B. potentiellen Auftraggebern für größere Plastiken im öffentlichen Raum einen Eindruck von einer Werkidee zu vermitteln, aber auch als Entwürfe für große Plastiken ohne konkreten Auftrag, eine Art dreidimensionales Skizzenbuch also.
Die schnelle Skizze, die z.B. auch Skizzenbücher zum begehrten, schwer ergatterbaren Sammel- und Sehnsuchtsobjekt macht, geht natürlich in der dritten Dimension nicht ganz so flott, wie die Feder über’s Zeichenpapier fliegt. Meist handelt es sich bei den Objekten um aus Pappelplatten ausgesägte Figuren, die reliefartig bearbeitet und dann farbig bemalt sind, auf einfachen Holzsockeln oder Metallständern, manche sind gar aus Pappe...