Die Galerie

19. Januar bis 22. Februar 2016

Eins im Schatten, eins im Licht
Orig.-Aquatinta-Radierung 1983

Willibrord Haas – Farbige Tage. Aquatinta-Radierungen und Malerei

In der Büchergilde Buchhandlung und Galerie, die normalerweise figurativ bzw. narrativ arbeitende Künstler vorstellt, eine Ausnahme, aber da hier auch alle wichtigen zeitgenössischen Künstler im Bereich der Druckgrafik präsentiert werden sollen, kommt man an Willibrord Haas natürlich nicht vorbei.
Der Künstler, der im Verlauf der Ausstellung seinen 80. Geburtstag begeht, kann ja auch figürlich, wie sein breites Oeuvre im Bereich des vorwiegend männlichen Aktes zeigt. Aber sein Lebenswerk besteht aus ungegenständlicher Malerei und vor allem ebensolcher Farbradierung.
Die ungegenständliche Kunst zielt auf den gleichen Nerv wie die Musik: Es geht rein um die Mobilisierung von Gefühlen. Das macht die Beurteilung ungegenständlicher Bilder für einen allgemeingültigen Kanon schwierig, ja fast unmöglich, denn Kriterium ist ja der Grad der persönlichen Berührtheit jedes Einzelnen. Es ist wie z.B. mit Wagners Opern: möglicherweise große Kunst, und dennoch nicht jedermanns Sache.

Zum Schwarzen Kameel
Orig.-Zeichnung zu "A bisserl weiter geht's immer"

Im Kabinett

Sebastian Lörscher – Originalzeichnungen aus dem Österreich-Buch "A bisserl weiter geht's immer"

Sein Buch „Making Friends in Bangalore“ hat Furore gemacht und Preise abgeräumt: ausgezeichnet von der Stiftung Buchkunst als eines der 25 schönsten deutschen Bücher 2014, Sondermann Newcomer Preis für komische Kunst & Literatur 2014 und Bestes internationales Reiseskizzenbuch 2014 (Festival de Carnet de Voyage, Clermont-Ferrand, Frankreich). Leider ist es bei der Büchergilde vergriffen.

Dafür hat der Reisezeichner nun seine nächste Ethnie mit spitzem Stift portraitiert – unsere Nachbarn in Österreich. Herausgekommen ist erneut das großartige Bild einer anderen Kultur. Auf billige Witze hat Lörscher, der sich 3 Monate durch ganz Österreich bewegt hat, verzichtet, geht stattdessen bemerkenswert sensibel auf Bedeutungsunterschiede in der gemeinsamen Sprache ein und verdeutlicht, dass es sich dabei auch durchaus um fundamentale Kulturunterschiede handelt. Natürlich entbehrt das Buch nicht gewaltiger Komik, aber man fragt sich dann doch immer mal, wer denn hier eigentlich der Komische ist...