Die Galerie

25. Januar bis 7. März 2015

Waldrand

Helga Wirth – Zwischen Natur und Abstraktion. Ölbilder und Grafik

DIE AUSSTELLUNG IST VOM 25. JANUAR BIS 7. MÄRZ 2015 IN DER FRANKFURTER BÜCHERGILDE BUCHHANDLUNG & GALERIE ZU SEHEN.
AM SAMSTAG, DEN 31. JANUAR 2015 UM 15.00 UHR FÜHRT WOLFGANG GRÄTZ DURCH DIE AUSSTELLUNG.

Helga Wirth (1937 – 2014) hat abseits der großen Galerien und hehren Feuilletons ein bemerkenswertes künstlerisches Lebenswerk geschaffen, in dem sie in Malerei und Grafik die Grenze zwischen Abstraktion und Naturausschnitt ausgelotet hat, balancierend auf dem schmalen Grat zwischen dem erkennbaren Gegenstand und der aufgelösten reinen Form. Immer wieder sind ihr grandiose Bildlösungen gelungen, bei denen das Auge stets aufs Neue herausgefordert ist, scheinbar Fragmentarisches zu ergänzen und so die abgebildete Natur zu erkennen. Eine Natur, deren Schönheit die Künstlerin feiert und deren Geheimnisse sie ihr belässt.

Die 1937 in Berlin geborene Tochter eines Rechtsanwalts musste nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters ihr Kunststudium an der Berliner Hochschule der Künste nach wenigen Semestern abbrechen und Geld verdienen – das machte sie binnen kurzem zur meistpublizierten Künstlerin Berlins, denn sie zeichnete von Hand die Wetterkarten, die die Berliner Zeitungen täglich druckten. Daneben bildete sie sich in den grafischen Techniken aus – bei H. Otto in Salzburg erlernte sie die Lithografie, bei Anselm Dreher Radierung. Diese wurde ihr ganzes Künstlerleben lang ihre bevorzugte Technik, die sie meisterhaft beherrschte. Mit ihrem Künstlergatten Willibrord Haas richtete sie 1972 in Berlin-Charlottenburg eine eigene Radierwerkstatt ein – und schon dieser Aufwand zeigt die Wichtigkeit der Druckgrafik für ihren Ausdruckswillen.

Helga Wirt ist am 6. Juni 2014 nach einer kurzen, schlimmen Erkrankung gestorben. Die agile, sportliche und lebenskluge Künstlerin wurde, so merkwürdig das bei einem Menschen von 77 Jahren klingen mag, mitten aus dem Leben gerissen. Der Büchergilde artclub verdankt ihr viele malerische und grafische Arbeiten von hoher Qualität, in etlichen Städten wurden ihre Arbeiten in den Büchergilde-Galerien gezeigt.

Unsere Ausstellung zeigt auch die großartigen Aquatinta-Radierungen, legt aber den Schwerpunkt auf die Malerei der Künstlerin. Ich glaube, dass wir einen beeindruckenden Einblick ins Werk von Helga Wirth bieten können und dass eine Reise nach Frankfurt in den nächsten Wochen lohnt. Erstmals bieten wir im Anschluss an die Ausstellung ein „Probeleben“ mit einem für Sie in Frage kommenden Bild an.

Im Kabinett

Martin Stark – Die Originalzeichnungen zu Heinrich Mann: Professor Unrat

Martin Stark von der HfG Offenbach mit seiner wunderbaren Illustration von Heinrich Manns Klassiker Professor Unrat eine weitere Perle in die glitzernde Kette „Büchergilde-Gestalterpreis“ eingefädelt: Souverän geht er mit der kollektiven visuellen Prägung durch den Film von Josef von Sternberg mit Marlene Dietrich in der Hauptrolle (1930) um, ohne sich an dessen Ästhetik anzubiedern. Die Zeichnungen des 1973 in Offenbach geborenen Künstlers sind so zeitgemäß, dass es ihm problemlos gelingt, den 1905 erstmals erschienen Text ins Heute zu transferieren.