Die Galerie

12. April bis 15. Mai 2014

Die Radierung - Königsdiziplin der Druckgrafik?

Mich hat das Knabenrealgymnasium mit einem Abiturzeugnis ausgestattet ins Leben entlassen, obwohl ich zu der Zeit noch glaubte, eine Radierung – den Begriff las man im Lesebuch z.B. unter Rembrandt-Abbildungen – entstehe irgendwie durch Bearbeitung mit dem gleichnamigen Gummi. Und ich fürchte, da hat sich nicht in allen Schulen viel getan. Gibt’s eigentlich ein Kunst-Pisa?

Radierung leitet sich etymologisch von lat. radere = reißen, kratzen her. Die einfachste Erklärung ist: In eine Kupferplatte werden mit einer Nadel Linien geritzt. Dann wird Farbe auf die Platte aufgewalzt, die aber gleich so weit wieder abgewischt wird, bis sie nur noch in den Rillen sitzt.

Nun wird ein feuchtes Büttenpapier in einer Presse unter so hohem Druck auf die Platte gepresst, dass es sogar in die Rillen gezwungen wird – und da saugt es die Farbe raus, deswegen die Genrebezeichnung Tiefdruck.

Man hat jetzt einen seitenverkehrten Druck der Kratze-Zeichnung auf der Platte. Und der hat zwingend einen „Plattenrand“, weil sich die scharfkantige Kupferplatte mit ihren geraden Kanten und rechtwinkligen Ecken ins Bütten eingeprägt hat. So erkennen Sie schnell, ob Sie eine Radierung vor sich haben oder eine andere Technik.