Die Galerie

28. Februar bis 9. April 2014

Heike Küster … und manchmal hundsgemein …

Nein, an sich seien ihre Bilder nicht gemein, sagt Heike Küster. Nur manchmal packe sie die Wut, und dann kommt so ein Zyklus zustande wie „Hauptsache Arbeit!“, in dem die Vermittlung von Arbeitsplatzlosen in so schöne Berufe wie Blindenhund, Osterhase oder Kleiderständer angeregt wird.

Aber an sich, meint die Künstlerin, sei ihre Arbeit geprägt von etwas, was andere möglicherweise als schwarzen Humor empfänden: Im Holzschnitt „Stillleben mit Zitrone“ liegen in der frisch geöffneten Hering-in-Tomatensauce-Büchse statt der erwarteten Fische fein säuberlich auf-gereiht lauter Meerjungfrauen, und „Tausendschön“ rasiert sich ein zum Kleid passendes Blumenmuster ins heftig behaarte Bein.

Auf den ersten Blick mag das wie ein harmloser Cartoon wirken, im Kontext des ganzen Werkes von Heike Küster betrachtet aber lösen die Arbeiten ein Grübeln aus und man assoziiert plötzlich Frauenbilder in Werbung und Medien.

Mit solchen Bildern sitzt man als Künstlerin natürlich zwischen allen Kunstmarktstühlen – zu direkt für die feine Galerie, zu aufwändig und damit notwendigerweise auch originalgrafikgemäß bepreist – wenn auch im Verhältnis zum Aufwand sehr niedrig – für die schnelle Mitnahme einer begeisternden Idee.

Und so arbeitet Heike Küster, um ihre Kunst nicht nach der Decke strecken zu müssen, nebenher in dem von ihr auch erlernten Beruf als Krankenschwester. Auch das sei ein authentischer Teil von ihr, sagt sie.

Im Kabinett

Unser Mann in Brasilien – Hansen-Bahia Sklaven, Jesus, Leichte Mädchen

Vor 99 Jahren, 1915 in Hamburg geboren, spielt das Meer im Leben von Karl-Heinz Hansen, so sein Geburtsname, eine wichtige Rolle. Nach einer Malerlehre dient er bei der Marine und fährt nach dem 2. Weltkrieg, den er an der Oder überlebt, als Matrose 1949 nach Brasilien.

Schon 1946 hatte er begonnen, zeitkritische wie religiöse Themen in Holz zu schneiden. Nun war er in São Paulo als künstlerischer Berater und Buchillustrator für den dort ansässigen Verlag Melhoramentos tätig.

Schon 1950 findet eine erste Einzelausstellung seiner Arbeiten im Museo de Arte in São Paulo statt, weitere in Rio de Janeiro und Brasília.

1995 siedelt er nach Salvador da Bahia de todos os Santos („Erlöser der Bucht aller Heiligen“) über. Das 1549 gegründete Bahia ist die afrikanischste Stadt Brasiliens: Sie war der Haupthafen für den portugiesischen Sklaven-handel mit Menschen aus Afrika.

In Bahia leben aus der ganzen Welt: Portugiesen, Afrikaner, Indianer und Menschen aus dem Vorderen Orient wie Syrer und Libanesen.

Hansen-Bahia, den Beinamen verlieh ihm der berühmte brasilianische Romancier Jorge Amado, hat sich Ende der 50er Jahre in einem eindrucksvollen Holzschnittzyklus mit den Torturen der Sklaverei auseinandergesetzt.

Um das allgegenwärtige Leiden der Menschen unter Gewaltherrschaft in Holzschnitten anzuprangern, nutzte der Künstler die Popularität der christlichen Ikonografie und schuf 1964 die 14 Grafiken des „Großen Tittmoninger Kreuzwegs“ – nach der Burg Tittmoning in Bayern benannt, in der er 1959 für drei Jahre ein Atelier einrichtete.

Er hat aber auch das überschäumende Leben Brasiliens zum Thema später Farbholzschnitte gemacht. Alle Facetten zeigt unsere Ausstellung.