Die Galerie

21. September bis 8. November 2017

Regatta XVIII

Ursula Strozynski – Konturen

Ursula Strozynskis Künstlerinnen-Vita gibt wenig Spekta-kuläres her – wozu auch, wenn die Kunst wirkmächtig ist…? 1954 in Dingelstädt/Eichsfeld geboren, absolvierte sie von 1972 bis 1976 ein Architekturstudium an der Technischen Universität Dresden und arbeitete nach dem Studium als Diplom-Ingenieurin. Diese Karriere brach sie 1977 aber schon nach einem knappen Jahr ab, zugunsten einer Existenz als freischaffende Künstlerin. Dieser Bruch war radikal, denn er bedeutete die Aufgabe der sozialen Sicherheit, schuf aber andererseits die uneingeschränkte Freiheit, endlich all das in ihr Schlummernde auszu-drücken, das sich offensichtlich nicht unterdrücken ließ.
Gleichwohl ist der Hang zur Architektur im grafischen Werk von Strozynski unübersehbar: Architektur ist ja die Konstruktion, die Struktur eines Gebildes, und diese legt die Künstlerin in den fast in allen ihren Motiven domi-nierenden Artefakten frei: die Konturen von Häusern ebenso wie die von Schiffen, einem Karussell, einem Liegestuhl, einer Gleisanlage. Von der nüchternen Architekturzeichnung aber unterscheiden sich diese Arbeiten gewaltig – durch die intensiven Gefühle, die Stimmungen, die Strozynskis beseelte Kaltnadelradierungen beim Betrachter auslösen.

Dazu trägt dieses Medium, die Kaltnadelradierung, nicht wenig bei. Hier sind die Striche Emotion pur, die dicken vermitteln den Eindruck, dass kräftig aufgedrückt wurde, die feinen stehen für Zartheit, den scharfen Schwarzweiß-Kontrast zwischen Linie und Fläche füllt das innere Auge des Betrachters mit Farben und Formen der eigenen Erinnerung oder Imagination.

Es menschelt ...

Im Kabinett

Erhard Holley – Wer war Luther?

Warum hat sich Holley so intensiv mit Luthers Physiognomie auseinandergesetzt? Man komme in der sachsen-anhaltinischen Landschaft, in der er lebe, kaum um Luther herum, begegne Spuren seiner Geschichte bzw. deren Erinnerungskultur auf Schritt und Tritt. Holley selbst wurde katholisch erzogen, lebte aber seine Musikalität im evangelischen Posaunenchor aus: „Um 8 Uhr war ich als Messdiener in der katholischen Kirche, ab 11 Uhr blies ich Posaune in der evangelischen.“ Später mied er beide.

Er hat sich mit Luthers Tischreden auseinandergesetzt, die auf mehreren Blättern kalligrafischer Hintergrund der Porträts sind, erregt sich über die Ignoranz des Reformators gegenüber der in Rom gesehenen Kunst der Renaissance und stellt ihm in mehreren Bildern Philipp Melanchthon zur Seite, den in Wittenberg lehrenden Philosophen und Humanisten, mit dem aber Luther eng befreundet war.