Buchtipps

Susanne Fritz Wie kommt der Krieg ins Kind

Empfohlen von Oliver Fründt

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„Langsam begriff ich. Der Krieg war nicht zuende. Der Irrsinn vergangener Tage wütete in unserem Haus.“

Diese Erfahrung werden viele von uns gemacht haben. Das Trauma von Krieg, Zerstörung, Vertreibung und Verstrickung in Schuld aller Art ist auch nach so vielen Jahren noch nicht vorbei. Oft wirkt es untergründig weiter

Susanne Fritz‘ Mutter war in den ersten vier Nachkriegsjahren als Jugendliche in einem polnischen Arbeitslager interniert – wie viele Deutsche, denen die Flucht nicht rechtzeitig gelungen ist. Das hatte Folgen für das Familienleben und damit auch für die Autorin.


In einer faszinierend erzählten Spurensuche geht sie den Fragen nach, wie es dazu kam, wie das war, was das bewirkte. Sie blättert die teilweise komplizierte deutsch-polnische Geschichte auf, reist nach Polen an die Schauplätze und in Archive. Sie hinterfragt Familienanekdoten, recherchiert das Alltagsleben in den von den Nazis besetzten Gebieten und analysiert ihre eigene tiefverwurzelte Empfindlichkeit gegenüber physischer, verbaler und emotionaler Gewalt.

Erzählende, manchmal auch spekulierende Stellen wechseln mit gründlich recherchierten Passagen, essayistischen Überlegungen und Fragen ab, auf die Antworten nur versucht werden können.


Susanne Fritz nimmt einen durch ihre feine Sprache mit auf eine Reise in, gewissermaßen, vermintes Gelände. Die Lebendigkeit und Frische, die Einfühlsamkeit und die durchdachte Form ihrer Erzählung finde ich großartig! Die ganze Thematik ist so komplex und bleibt unüberschaubar, es gibt dazu keine einfachen Antworten. Auch die Frage des Titels: „Wie kommt der Krieg ins Kind“ kann nur mit „Durch das alles“ beantwortet werden.


Dieses Buch finde ich großartig, klug, schlicht ergreifend und unbedingt lesenswert!

Susanne Fritz / Wie kommt der Krieg ins Kind

Wallstein Verlag, 2018

20.00 €