Buchtipps

Emma Glass Peach

Empfohlen von Oliver Fründt

LOGO

Dies ist ein unglaubliches Buch: grausam, sprachlich faszinierend, teilweise eigenartig bis fragwürdig, metaphorisch, geheimnisvoll, rätselhaft, verstörend und fesselnd…

Die Geschichte ist schnell erzählt:
Peach, eine junge Frau, noch Schülerin, ist brutal vergewaltigt worden und näht ihre Wunde selber zusammen. Obwohl sie von lieben Leuten umgeben ist, vertraut sie sich niemandem an und lässt sich nichts anmerken.

Dabei ist sie auch innerlich zerstört und bleibt verängstigt. Der Vergewaltiger stalkt sie anscheinend und verfolgt sie mit „Liebesbriefen“, die wie Drohungen wirken.
Ihre eigentlich zugewandten, allerdings auch ziemlich offen sexbesessenen Eltern und ihr Freund Green merken offenbar nicht, dass, gar was ihr geschehen ist.
Und Peach rächt sich auf außerordentlich ungewöhnliche, ja schräge Weise…


Faszinierend ist Emma Glass‘ Debütroman durch ihre ganz und gar eigene, sehr dichte und intensive Sprache. Die entwickelt einen enormen Sog. Auch wenn die geschilderten Ereignisse einen zutiefst abstoßen.
Man kann nicht anders, als sich zu fragen, was Peach für eine junge Frau ist, warum sie sich nicht äußert, sich niemandem anvertraut und ihre grässlichen Erlebnisse stattdessen auf ihre Weise verarbeitet – bis ihre Wunde wieder aufplatzt.

„Peach“ bietet damit auch ein höchst eigenes Leseerleben: Man klappt das Buch zu, alle Fragen sind beantwortet – und umgehend öffnen sich viele neue. Ein Roman, der einen nicht los lässt.

Und nichts für schwache Nerven. „Für Jugendliche unter sechzehn Jahren nicht geeignet“ heißt es im Fernsehen immer. Ist hier sicher auch so. Für Lesende jeden Alters und auch für leseerfahrene junge Erwachsene hingegen bietet „Peach“ viel Denk- und Gesprächsstoff.

Ein tolles Debüt, das es in sich hat! „Peach“ ist sehr zu empfehlen! (Nur nicht gerade „schön“…)

Emma Glass / Peach

aus dem Englischen von Sabine Kray
Edition Nautilus, 2018

19.90 €