Buchtipps

Bernie Krause Das grosse Orchester der Tiere

Empfohlen von Oliver Fründt

LOGO

Vom Ursprung der Musik und der Sprache in den Geräuschen der Natur und wie das bis heute weiterklingt, erzählt der Musiker und Bioakustiker Bernie Krause in diesem fantastisch geschriebenen Sachbuch:


Alle Tiere und auch andere Lebewesen haben eine bestimmte Klangsignatur entwickelt, die zur Kommunikation mit Artgenossen, aber auch mit seinem gesamten Lebensraum dient. Krause hat bei seinen Aufnahmen beobachtet, wie nämlich ein ganzer Lebensraum auch akustisch auf bestimmte Ereignisse reagiert: Ein Raubtier taucht auf, ein Raubvogel kreist überm Wald, ein Flugzeug fliegt vorbei… und der ganze Lebensraum hält einen Augenblick (oder länger) erschrocken inne. Bevor er sich wieder entspannt und sein Lied fortsetzt.

Bernie Krause (Jg. 1938) ist von Haus aus Musiker. Er spielte in der Band von Pete Seeger. Danach war einer der ersten Musiker, die mit Synthesizern experimentiert haben, und galt als Pionier und Spezialist auf diesem Gebiet. Später studierte er noch einmal, und zwar Biologie, und begann damit, Naturgeräusche aufzunehmen (u.a. für Museen, Ausstellungen und zu Forschungszwecken).


Bei seiner Aufnahmetätigkeit wurde ihm immer offenkundiger, wie sehr die Tiere und andere Lebewesen ihre Laute aufeinander abstimmen, aufeinander reagieren, einen Grundton summen, eine Melodie zwitschern, worauf ein anderes Tier reagiert, oder sich auch einfach mal mit einem ausgemachten Solo wichtigmacht.

Krause vermutet sehr, dass der Mensch, als er in diesem Szenario auftauchte, sich ebenfalls erstmal auf dieses Spektakel eingelassen hat, Laute produzierte, die dazu passten – und vor allem zuhörte, da das Hören, Lauschen, in sich auf nehmen und daraus Schlüsse ziehen ein wichtiger Teil der Überlebensstrategie in der Natur und Wildnis ist.

Er ist sicher, dass mindestens die Musik und höchstwahrscheinlich auch die Sprache sich als Reaktionen auf die Laute der Natur entwickelt haben. Vom Steinchen übers Stöckchen (Klanghölzchen) zur Flöte – bis hin zu einer ausgefeilten Buchempfehlungen wie dieser hier.

Krause weist das anhand des Klangarchivs nach, das er sein halbes Leben lang zusammen getragen hat. Und dabei fallen ihm auch die Veränderungen in den Klangstrukturen der Welt auf, in der es durch all die massiven Eingriffe der Menschen kaum noch natürlich intakte Landschaften und Lebensräume und eben Klanglandschaften gibt. Diese Befunde lesen sich so beunruhigend, wie das eben ist. Abbildungen von Klangspektren im Buch zeigen das deutlich.


In neun Kapitel erzählt Krause überaus spannend von Klanglandschaften überall in der Welt: in Regenwäldern, Wüsten, Wäldern, auf Wiesen, in Gebirgen, an Flüssen und Wasserfällen und in den überaus klangvollen Weltmeeren und Ozeanen. Nicht ohne eine kurze Geschichte der Musik unter dem hübschen Titel „Jedem Tierchen sein Pläsierchen“.
Es gibt auch eine Webseite mit zahlreichen Klangbeispielen, auf die im Buch hingewiesen wird.


„Das große Orchester der Tiere“ geigt im Grunde eine wunderbare, große, faszinierende und außerordentlich spannend geschriebene Symphonie über die Vielfalt der Lebewesen und aller anderen Erscheinungen in der Welt der Natur. Ein tolles Buch, das zum Hören und Staunen einlädt!

Bernie Krause / Das grosse Orchester der Tiere

Vom Ursprung der Musik in der Natur
Aus dem Englischen von Gabriele Gockel und Sonja Schuhmacher
Büchergilde, gebunden, Euro 18,95
(für Nichtmitglieder: Verlag Antje Kunstmann, Euro 22,95
oder als Paperback bei National Geographic, Euro 14,99)

18.95 €