Buchtipps

Neal Shusterman Scythe – Die Hüter des Todes

Empfohlen von Lisa Stöhr

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Wir, die Menschheit, haben es endlich geschafft. Das größte Übel ist besiegt, der Tod ist überwunden. 



Es hat sich herausgestellt, dass die Kontrolle der Menschen über sich selbst niemals perfekt werden kann. Viel besser kann das eine künstliche Intelligenz, so dass sämtliche Regierungsgeschäfte und jede große Planung dem „Thunderhead“ übergeben worden sind.

Es gibt nur noch einen entscheidenden Bereich, der als zu wichtig erachtet wurde, um sie der künstlichen Intelligenz zu übereignen. Da die Menschheit nicht unendlich wachsen kann, muss die Masse begrenzt werden. Regelmäßig müssen eben doch Menschen sterben.

Verantwortlich dafür sind die „Scythe“, die nach Statistik, nach Mengenvorgabe und unter demokratischer Kontrolle Menschen „nachlesen“, um die Population zu begrenzen. Aber zwei Jugendliche, die als Lehrlinge in das System eintreten, werden schnell mit der Realität menschlicher Selbstorganisation konfrontiert: Machtkämpfe, Größenwahn und Egoismus.

Neil Shusterman wirft in seinem Jugendbuch große Fragen auf, sowohl im Bezug auf große Menschheits- und Moralfragen, wie auch zu modernen Fragestellungen wie Digitalisierung und technischem Fortschritt.

Dabei sind die Fragen genauso schwierig dargestellt, wie sie sein müssen. Die jungen Protagonisten werden nicht einfach mit dem Tod konfrontiert. Sie müssen sich mit dessen Optionalität und der Entscheidung über Leben und Tod beschäftigen – wobei die Notwendigkeit der Populationskontrolle doch außer Frage steht. Schließlich muss man sich sogar fragen: wenn der Job schon gemacht werden muss, warum sollte man nicht auch Freude daran empfinden?

Gleichzeitig entfernen sie sich von der Realität der „Normalbevölkerung“. Dieses ewige, von einer künstlichen Intelligenz optimierte Leben erscheint plötzlich nur noch banal, langweilig.

Shusterman packt diese Fragen in einen spannenden Plot, der Jugendliche trotz der schweren Themen an das Buch fesseln werden. Und das (noch) ohne den großen Endgegner nach dem Vorbild von Computerspielen, sondern sehr menschlichen und philosophischen Problemen in einem utopischen Setting.

Das kleine „noch“ oben habe ich eingefügt, da das Buch der Beginn einer Reihe ist. Ich weiß nicht, was in den nächsten Büchern folgt.

Der zweite Teil Neal Shusterman: „Scythe – Der Zorn der Gerechten“ soll lt. Verlag am 24.März 2018 erscheinen. Darin wird eine der „Scythen“ sich als Rebellin gegen dieses System erweisen und für die Gerechtigkeit kämpfen!

Neal Shusterman / Scythe – Die Hüter des Todes

aus dem Amerikanischen von Pauline Kurbasik und Kristian Lutze

Verlag Fischer Sauerländer, 2017,

ab 14 Jahren

19.99 €