Buchtipps

Rolando Villazón Lebenskünstler

Empfohlen von Oliver Fründt

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Ein herrlich verspielter Roman voller literarischer Anspielungen, mit Slapstick und Tiefsinn (doch das geht!) von Star-Tenor Rolando Villazón! (Doch, doch, das geht auch!)

Die Beschreibung in der Verlagsvorschau klang interessant. Dennoch blieb ich skeptisch, als ich den schon zweiten Roman von Rolando Villazón zu lesen begonn – äh, begann.
Doch die schwand schnell, ist „Lebenskünstler“ doch ein wunderbares Vexierspiel zwischen Traum, Wirklichkeit und eben Spiel.


Eine Gruppe von Freunden, Lebenskünstler allesamt, trifft sich regelmäßig zu philosophischem Austausch in der Bar „Hinter den Spiegeln“ (oder so ähnlich).
Und da taucht eines Tages die stumme, aber faszinierende Golondrina auf. Sie verzaubert Palindromus‘ Herz und läßt ihn weitere Spiele ersinnen, Rätsel lösen und sich aneinander vorbei suchen. Bis… – Nö, verrate ich nicht.

Palindromus (warum der so heißt, wird in zwei Versionen erklärt, die beide sein könnten) hatte sich doch geschworen, sich nie wieder zu verlieben. Ebenso wird erzählt, warum er wurde, was er ist, und weshalb Golondrina zu sprechen aufhörte – das sind alles Aspekte, die diesem leichtfüssigen und verspielten Werk eine unerwartete Tiefe geben, was mich sehr beeindruckt.

Und dass davon nichts übermäßig romantisch, lächerlich, kindisch oder gar kitschig wird (nur im absolut notwendigen Rahmen, versteht sich!), dafür sorgen ein nächtlicher Serienmörder, Verfolgungsjagden durch die Stadt und mit der Metro, ein gefürchteter Zwerg, eine echt starke Frau (nein, nicht Golondrina!) und die beiden Philosophen Mopsos und Calcas mit ihren Überlegungen und Kommentaren. – Und wer schreibt eigentlich allen diese seltsamen Postkarten?!?

Rolando Villazóns „Lebenskünstler“ ist ein großartiges intellektuell-skurriles Lesevergnügen!
Und man fragt sich unwillkürlich: ab wann ist jemand eigentlich ein Lebenskünstler?


P.S.:
Der wichtigste literarische Bezug der „Lebenskünstler“ verweist hier übrigens auf Julio Cortazar. Der hat dermaßen großartig tolle und faszinierende Erzählungen geschrieben – da beschlägt einem die Lesebrille vor Begeisterung!
Etwas die Sammlung „Oktaeder“ (enthalten in Julio Cortazar: Beleuchtungswechsel; suhrkamp taschenbuch, Euro 10,00). Hallelujah, kann man da nur rufen – oder besser: Hola Julio! – Diese Stories entdeckt zu haben, ist noch ein Verdienst von Rolando Villazóns „Lebenskünstlern“.

(Die Skepsis? War absolut unnötig!)

Rolando Villazón / Lebenskünstler

aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen
Rowohlt Verlag, 2017

19.95 €