Der Blog

14.Türchen

unseres literarischen Adventskalenders
14. Dezember 2017

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

in zehn Tagen ist es soweit, und dieses Jahr ist es sozusagen doppelt so weit: denn da fallen der vierte Advent und der Heilige Abend übereinander her… äh, auf einen Tag, meine ich. Auch noch Sonntag. Also ist es eigentlich dreimal so weit.
Es wird also langsam Zeit, sich mit den wichtigen Fragen (im Leben) zu beschäftigen. Was wollen wir trinken? Was gibt‘s zu essen? Was sollen wir anziehen? Und was soll das alles überhaupt werden, wenn es fertig ist?!?

Mit den beiden letzten Fragen lassen wir Sie mal diskret alleine. Bei den ersten beiden hilft ein Kochbuch. Und da Weihnachten ja irgendwie so ein klassisches Fest ist, empfehlen wir Ihnen den Klassiker:

Grete Willinsky:
Kochbuch der Büchergilde
1560 mit 350 teils mehrfarbigen Illustrationen von Gerhard Oberländer
640 Seiten, Euro 29,95


Was will man mehr? Wie viel mehr will man denn noch essen? Und, ich finde das immer irre, wenn der Untertitel viel länger ist als der Titel!

Aber am besten sind hier natürlich die wunderbaren Rezepte, die Grete Willinsky (1906 - 1983) gesammelt und in hinreissender Sprache aufgeschrieben hat. Immer wieder mal mit Anmerkungen und kleinen Anekdoten gewürzt, macht das einfach viel Spaß – eben auch zu lesen! Was bei Kochbüchern eher selten der Fall ist, da man sie ja meist nur zur Zubereitung der Speisen nutzt.

Und dafür braucht man eigentlich kein anderes Kochbuch als das der Büchergilde! Grete Willinsky hat nämlich ein „Universalkochbuch“ geschrieben, aus dem man auch heute noch alles erfährt, was man zum Kochen braucht.

Ein „Kleines Küchen-ABC“ von „Abbrennen“ bis „Ziemer“ (Rückenstück vom Wildbret) ist ebenso vorhanden wie Gewürze und Kräuter von „Anis“ bis „Zwiebel“ kurz vorgestellt werden. Und dann gibt es Rezepte in Hülle und Fülle und zu allen Gelegenheiten und Bereichen, zu denen man kochen und backen kann, will, muss, möchte…
Ja, auch Backrezepte kommen vor! Ja, auch für die Weihnachtsbäckerei!! (Falls Sie kein Marzipan zur Hand haben: hier steht auch drin, wie man es selber machen kann!)


Das „Kochbuch der Büchergilde“ erschien zum ersten Mal 1958. Klar, daß es also auch voll 50er-Jahre ist. Und das auf die charmanteste Art! Eben durch die Sprache wie auch durch die absolut hinreißenden vielen Bilder von Gerhard Oberländer (1907 – 1995). Mit so viel Bildwitz und verspielter Freude dürfte selten ein Kochbuch illustriert worden sein: da flüchten Hühner vor der Geflügelschere, hat ein Ei eine Mütze auf, Kähne schippern aufs offene Meer, Köche schuften am Herd, ein Schwein sitzt im Koben, Pilze kullern über die Seiten und stapelt sich Geschirr!

Ein hinreissendes Kultbuch für jeden Geschmack! Ich lasse mich zu der Bemerkung hinreissen, man brauche überhaupt nur ein einziges Buch im Leben, nämlich dieses: herrliche Sprache, nette Geschichten und Gedanken zu einem der beiden wichtigsten Themen im Leben (das andere können Sie sich selbst aussuchen!) und wunderschöne Bilder noch dazu!


Guten Appetit für Kopf, Herz und Auge wünscht Ihnen
Ihr Oliver Fründt

13.Türchen

unseres literarischen Adventskalenders
13. Dezember 2017

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

Sie haben es natürlich längst bemerkt. Wir haben uns gerade in starke, tolle, großartige, waghalsige Frauen vernarrt. Eine Eigenschaft, die sie alle besitzen, ist ihr Mut, ihre Unerschrockenheit! Das ist so bewundernswert, also ich meine, so super sehr bewundernswert, dass man Komplexe kriegen könnte.

Aber vielleicht hatten diese Frauen ihren Mut nicht schon immer, sondern haben ihn erst in sich entwickelt. Darum sind sie ja unsere großen Vorbilder, weil sie auch zeigen: Hallo, man kann da ja reinwachsen! – Und was hilft beim Wachsen? Klar, lesen! Genau.


Da wir davon nicht genug bekommen können (vom Lesen so wenig wie vom Wachsen und von rebellischen Frauen), gibt es zum Glück noch einen weiteren tollen neuen Band zu diesem Thema, und zwar

Pénélope Bagieu: Unerschrocken
Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen
Aus dem Französischen von Heike Drescher
Reprodukt Verlag, Euro 24,00


Das ist ein Comic – super, mit vielen Bildern! Von Bildern kriegen wir ja auch nicht genug, und am wenigsten unsere Kollegin Jennifer Lorz. Hier ist ihre Empfehlung:


Die französische Illustratorin und Comiczeichnerin Pénélope Bagieu wurde in Deutschland durch ihre wundervollen Graphic Novels „Eine erlesene Leiche“, „Wie ein leeres Blatt“ (leider vergriffen) und die neuste „California Dreamin“ (alle beim Carlsen Verlag) bekannt.

In jeder dieser Graphic Novels geht es um Frauen, die ein erst langweiliges festgefahrenes Leben haben und im Laufe der Geschichte versuchen, es so, wie es ist, zu akzeptieren und das beste daraus machen.


In ihrem neusten Werk „Unerschrocken“ zeichnet sie Porträts über fünfzehn starke „unerschrockene“ Frauen, die aus einer scheinbar aussichtslosen Situation das Beste machen und ihr Schicksal in die richtigen Bahnen lenken.

Darunter sind sowohl bekannte als auch weniger bekannte Frauen, die aber allesamt faszinierende Lebensläufe haben. Wie etwa Leymah Gbowee, die ihrem gewalttätigen Ehemann entkommt, anderen Frauen in ähnlichen Situationen hilft und zur Bürgerrechtlerin wird.
Nzinga, die Königin eines afrikanischen Stammes wird, sich von den Männern nicht unterkriegen lässt und sich gegen alle Widrigkeiten behauptet.
Oder Margaret Hamilton, die schon immer Schauspielerin werden wollte, aber wegen einer verkrümmten Nase nie eine Rolle bekommen hätte, hätte nicht der Zufall mitgespielt und ihr zur Rolle ihres Lebens verholfen, die Hexe in „Der Zauberer von Oz“!
Und auch eine Leuchtturmretterin, die durch eine besondere Technik dafür sorgt, dass ein Leuchtturm nicht dem Meer zum Opfer fällt.

Diese unglaublichen Frauen sind sehr beeindruckend beschrieben und liebevoll gezeichnet. Eine bezaubernde Weise aufzuzeigen, wie stark Frauen sein können und dass es sich lohnt, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sich nicht unterkriegen zu lassen!


Autobiografische Skizzen aus ihrem Blog veröffentlichte Pénélope Bagieu übrigens auch einmal: „Mein Leben ist ziemlich faszinierend“ (2014), das ist leider auch schon vergriffen. Die französische Webseite dazu kann man noch ansehen (s. den Link unten).

Wir wünschen Ihnen einen faszinierenden Tag!
Mit unerschrockenen Grüßen,
Ihre Jennifer Lorz

Hier gibt es 15 unerschrockene Frauen

und hier den Blick auf Frau Bagieus Webseite! Auf Französisch natürlich.

12.Türchen

unseres literarischen Adventskalenders
12. Dezember 2017

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

eine der rebellischen Mädchen und Frauen aus dem tollen Buch „Good Night Stories for Rebel Girls“ war die tollkühne Journalistin Nellie Bly (1864 – 1922). Die Illustration zu ihrem Portrait zeigt die Titelseite einer Zeitung mit der Schlagzeile: „Best Reporter in the U.S.“ und Nellie Bly, die mit einer Lupe ihren Namen hervorhebt.
Ob sie einmal in einer Zeitung als „beste Reporterin“ bezeichnet wurde, weiß ich nicht. Aber sicher war sie eine der ersten Investigativjournalistinnen überhaupt. Lisa Stöhr hat eines ihrer Hauptwerke gelesen und weiß mehr über

Nellie Bly: Zehn Tage im Irrenhaus.
Undercover in der Psychiatrie
hrsg., übers. und mit Nachwort von Martin Wagner
Aviva Verlag, Euro 16.00


Dieser Bericht einer großen Frau wurde bereits 1887 verfasst und erschien in dieser Ausgabe 2014 beim Aviva-Verlag:

Bly, deren eigentlicher Name Elizabeth Jane Cochran war, kam durch Zufall zum Journalismus: Ein von ihr verfasster Leserbrief zu einem frauenfeindlichen Artikel beeindruckte den Redakteur der angesprochenen Zeitung derart, dass er ihr einen Job anbot.


Einige Jahre später begann sie für die Zeitung „New York World“ von Joseph Pulitzer (genau, der mit dem Preis) zu arbeiten. Ihr erster Auftrag sollte ein Meilenstein des investigativen Journalismus werden. Sie sollte sich undercover in eine Nervenheilanstalt für arme Frauen einschleichen und über die Zustände dort berichten.

Entgegen ihrer Erwartung war es sehr einfach, in die Anstalt eingewiesen zu werden; es brauchte nur einen falschen Namen, eine wirre Geschichte und kein Geld dabei. Die Anstalt wieder zu verlassen, war die größere Herausforderung. Denn wer glaubt schon einer „armen Irren“?

Sie verbrachte schließlich, wie der Titel schon sagt, zehn Tage im Irrenhaus. Obwohl sie gerne darüber berichtet hätte, dass „die Schwächsten unter Gottes Geschöpfen“ in ihrer Gesellschaft gut versorgt sind, zeigten ihre Erfahrungen schwere Missstände auf. Ihr Artikel erschien in zwei Teilen in der „New York World“ und kurze Zeit später als Buch. Denn selbst in einer Zeit, in der das Wort einer Frau noch wenig Gewicht hatte, beeindruckten ihre sachlichen, aber einfühlsamen Berichte über einen Ort, den wahrscheinlich keiner der Leser jemals von innen sehen würde.

Und sie bewirkten das, was guter Journalismus tun muss: Durch Aufdeckung von Missständen öffentlichen Druck erzeugen, um diese zu verändern. Die Lektüre heute lohnt sich allein schon wegen ihrer großen Bedeutung für den Journalismus, aber man sollte nicht unterschätzen, wie sehr ihr Bericht fesselt! Eine spannende Erzählung über ein Irrenhaus, das schon längst nicht mehr existiert.

Auch nicht unterschätzen sollte man die Aktualität. Ich musste immer wieder an einen Artikel in dem von Paul Watzlawick herausgegebenen Band „Die erfundene Wirklichkeit“ (Piper Verlag, Euro 11,00) denken. Darin wird von Wissenschaftlern in einer Psychiatrie viele Jahre später berichtet, deren Schizophrenie-Diagnosen auch bei vollkommen rationalem Verhalten der Patienten niemals in Frage gestellt wurde.


Wirklich berühmt wurde Nellie Bly zwei Jahre später als Weltreisende. Sie umrundete die Welt nämlich in der damaligen Rekordzeit von nur 72 Tagen – nicht ohne auf dem Wege auch gleich Jules Verne zu besuchen, dessen berühmter Roman damals ein Bestseller war. Ihr Bericht über diese Reise traf den Zeitgeist im 19. Jahrhundert, in dem AbenteurerInnen en vogue waren. Von diesem (Verzeihung!) irren Buch könnte man auch noch viel schwärmen, aber das ist eine andere Geschichte.

Nellie Bly: Around the World in 72 Days
aus dem Amerikanischen von Josefine Haubold
hrsg. von Martin Wagner
Aviva Verlag, 2013, Euro 19,90.


Der tolle kleine großartige Aviva-Verlag feierte in diesem Jahr übrigens sein 20-jähriges Bestehen. Aviva ist spezialisiert auf Literatur von und über große Frauen, macht dabei wunderbare Neuentdeckungen wie diese Bücher von Nellie Bly, und immer wieder haben wir in seinem Programm Bücher entdeckt, ohne die wir nicht mehr sein wollen!

Aviva-Verlegerin Britta Jürgs ist zur Zeit die Vorsitzende der Kurt-Wolff-Stiftung, deren Ziel in der Förderung kleiner und vor allem unabhängiger Verlage besteht. Das ist gut, und darum: Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und bitte immer weiter so!

Mit investigativen Grüßen,
Ihre Lisa Stöhr

Hier kriegen Sie Zehn Tage im Irrenhaus

und hier in 72 Tagen um die Welt!

11.Türchen

unseres literarischen Adventskalenders
11. Dezember 2017


Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

in gewisser Weise, fällt mir gerade auf, handeln viele unserer Buchtipps von Geschichten vom Anderssein und wie damit umzugehen ist. Im elften Roman von Toni Morrison, der großen afroamerikanischen Nobelpreisträgerin von 1993, ist das nicht anders. (Dass wir ihren 11. Roman im 11. Türchen vom 11. Dezember empfehlen, ist allerdings reiner Zufall – echt jetzt!)

Toni Morrison zeigt sich darin auf der Höhe ihrer Meisterschaft und hat einen großartig komponierten Roman aus verschiedenen Perspektiven geschrieben:


Toni Morrison: Gott, hilf dem Kind
aus dem amerikanischen Englisch von Thomas Piltz
Büchergilde Gutenberg, Euro 17,95
oder beim Rowohlt Verlag, Euro 19, 95


Lula Ann kommt als sehr dunkles Baby zur Welt. Ihr Vater fühlt sich von der Mutter betrogen und verlässt die Familie. Die Mutter hasst ihre Tochter dafür und schämt sich sogar für sie, daher darf Lula Ann ihre Mutter auch nur mit ihrem Vornamen „Sweetness“ ansprechen.

Lula Ann hat lange damit zu kämpfen, so verachtet zu werden, und fühlt sich auch lange nicht wohl in ihrem eigenen Körper. Bis sie eines Tages beginnt, aus ihrem Äußeren Profit zu schlagen: sie kleidet sich nur noch in Weiß, macht ihren Körper zur Marke und nennt sich von nun an nur noch Bride. Sie geht in die Modebranche, und im Prinzip dreht sich auch ihr weiteres Leben immer noch um ihr Äußeres, auch wenn sie selbst es vielleicht gar nicht bemerkt.

Denn als sie von Booker, der Liebe ihres Lebens, verlassen wird, meint sie selbst ihre Fraulichkeit zu verlieren. Zuerst glaubt sie, dass so etwas banales wie ihre Ohrring-Löcher verschwinden, später sogar ihre Oberweite. Allerdings sie ist die einzige, die das so sieht.

Sie zieht sich zurück, bis sie eines Tages Hinweise auf Bookers Verbleib erhält und sich auf die Suche nach ihm macht.
Bei dieser Suche beginnt sie, sich zu verändern, sich selbst wieder mehr zu mögen und ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Eine Vergangenheit, die geprägt ist von Verachtung, Liebesentzug und auch einem ziemlich dunklen Schatten, der sich bis in die Gegenwart zieht und sie noch heute stark beschäftigt. Wird sich ihr Leben wieder zum Besseren wenden?


Es gibt unterschiedliche Erzählstimmen in „Gott, hilf dem Kind“. Neben der Protagonistin Bride kommen auch ihre Mutter Sweetness, die beste Freundin Brooklyn und ihr Freund Booker zu Wort und machen die Geschichte insgesamt rund.
Eine spannende Geschichte, die auch einige Überraschungen für uns als Leser bereit hält.

Ich habe jedenfalls bis zum Ende mitgefiebert, ob Bride ihren Booker wiederfindet, und war ebenso gespannt darauf, was es mit der mysteriösen Frau Sofia auf sich hat, die Bride zu Beginn der Geschichte unbedingt treffen muss.


Zu dem Spektrums des Andersseins gehört ja auch, wie einschneidend es das Innenleben der Figuren verändert und manchmal auch zerstört. Davon zu lesen, sich erzählen zu lassen, mitzudenken und sich einzufühlen, bringen zwei der besten und wichtigsten Nebenwirkungen von Literatur hervor: Empathie bzw. Mitgefühl und Toleranz!
Auch insofern gehört „Gott, hilf dem Kind“, dieser so ausgezeichnete Roman, auf jeden Lesestapel!

Wir haben schon die Frage diskutiert, ab welchem Alter man Morrisons Roman lesen kann. Er ist für Erwachsene geschrieben – aber ab wann ist man „erwachsen“?!?
Leseerfahrene, neugierige, nachdenkliche junge Leute, die sich zu fragen beginnen, wie sie wurden, was sie sind, und wie das Leben so weiter geht, können dieses Buch auch schon ab um die 18 lesen, denke ich. Das kommt ganz auf die Person an. – Vielleicht kennen Sie ja solche jungen Leute?
Dann wäre es ein prima Weihnachtsgeschenk! (Für alle „älteren“ Leserinnen und Leser natürlich auch!)

Mit nachdenklichen und neugierigen Grüßen,
Ihre Jennifer Lorz


Der Link unten führt zu der abgebildeten Rowohlt-Ausgabe von Toni Morrisons Roman.
Bitte geben Sie bei Ihrer Bestellung an, wenn Sie Büchergilde-KundIn sind; dann legen wir Ihnen die richtige Ausgabe zurück.

Hier können Sie Gott, hilf dem Kind bestellen!

9. und 10.Türchen

unseres literarischen Adventskalenders
9. Dezember 2017

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

nach diesem schrecklichen Thema gestern brauchen wir heute unbedingt ein Stück Hoffnung („Gim‘me hope, Joanna, gim‘me hope!“). Und dazu noch gleich ein Stück Schokolade!
Denn es gibt ja wenige Dinge, auf die wir Menschen uns wirklich einigen können. Einig sind wir uns aber fast alle, dass Schokolade ungemein gut tut und lecker ist – egal, ob nun Vollmilch, Zartbitter oder Trinkschokolade.
Seit Stephanie Burgis´ Kinderbuch weiß ich nun auch, dass das genauso auf Drachen zutrifft:

Stephanie Burgis:
Aventurine. Das Mädchen mit dem Drachenherzen.
Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier,
ab 10 Jahren
Fischer KJB, Euro 14,99

Das junge Drachenmädchen Aventurine macht ihrem abenteuerlichen Namen alle Ehre! Trotz aller Warnungen ihrer Familie vor den gefährlichen Menschen schleicht sie sich aus dem Wohnberg und trifft sogleich im Wald auf einen Essensmagier.

Dieser legt sie mit zauberhaft duftender Trinkschokolade herein und verwandelt sie in ein mickriges Menschenkind. Doch Aventurine weiß das Beste aus einer schlechten Situation zu machen: Wenn man schon in einem so zerbrechlichen Körper gefangen ist, warum nicht lernen, dieses leckere Getränk selbst herzustellen?

In der nächstgelegenen Stadt stellt sie erst einmal fest, dass die Menschen ganz anders sind, als ihre Familie es ihr erzählt hat. Sie sind vor allem langweilig, konformistisch und streng hierarchisch organisiert. Zeit, dass die junge Drachin dies ändert und ganz nebenbei ihrer neuen Leidenschaft frönt, indem sie im besten (und unkonventionellsten) Schokoladenhaus der Stadt in die Lehre geht.

Ein spannendes Buch mit mehreren starken Protagonistinnen, für LeserInnen ab 10 Jahren!
Ganz nebenbei proklamiert „Aventurine“, dass unser Leben viel spannender ist, wenn man keine Homogenität herbei zwingt – die ja sowieso eine Illusion ist! Und dass Talente nicht immer offensichtlich sind oder dem entsprechen müssen, was (Drachen-) Eltern erwarten.


Der Originaltitel dieses lecker tollen Buches lautet übrigens „The Dragon with a Chocolate Heart“. Ist das nicht schön?

Mit schokoherzlichen Grüßen,
Ihre Lisa Stöhr

Hier können Sie Aventurine Das Mädchen mit dem Drachenherzen bestellen!

8.Türchen

unseres literarischen Adventskalenders
8. Dezember 2017

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

von Russland gestern geht es heute nach Amerika – und zu einem bedrückenden, aber großartigen, hochgelobten und wegen seines Themas ganz furchtbaren Roman eines der besten der jüngeren us-amerikanischen Autoren:

Colson Whitehead: Underground Railroad

aus dem Amerikanischen von Nikolaus Stingl

Büchergilde (NEU!), Euro 20,00
(oder bei Hanser Verlag, Euro 24,00)


Es ist tatsächlich schwer, das heutige Buch zu empfehlen. Es handelt sich um einen wirklich großen Roman, aber in diesem Buch geht es um den dunkelsten und widerlichsten Teil der US-amerikanischen Geschichte. Die Sklaverei.

Erzählt wird die Geschichte der jungen Cora, die in die Sklaverei hineingeboren wird und zunächst nicht daran denkt, vor dem grausamen, aber bekannten System zu flüchten – denn, alle werden gefangen. Und alle werden bestraft, unsagbar qualvoll und tödlich. 

Sie entschließt sich erst zur Flucht, als ihr Besitzer (sic!) stirbt und die Plantage mit all ihren Sklaven an dessen Bruder vererbt wird, der sogar in diesem unmenschlichen System als besonders sadistisch betrachtet werden kann.

Whitehead beginnt seine Geschichte mit der Großmutter der Protagonistin, die mit ihrer Familie verschleppt und über den berüchtigten Hafen in Ouidah nach Amerika verschifft wird. Die Familie sieht sie nie wieder, stellt sich aber eine bessere Zukunft für sie vor. Die Leserin erfährt jedoch, dass die Hoffnung trügt.

Genauso erzählt Whitehead in seiner sachlichen und schnörkellosen Sprache auch die Geschichten derer, die Cora auf ihrem Weg in die Freiheit helfen. Dabei wiederholt sich, was auch Cora immer wieder erleben muss: In einer Gesellschaft, in der Rassismus tief implantiert ist und Menschen zu Eigentum geworden sind, werden Hoffnung und gute Taten in der Regel grausam bestraft.
Dabei sind es nur selten Psychopathen, die schlimme Dinge tun, sondern normale Menschen in einem pervertierten System, das als Grundlage der amerikanischen Gesellschaft diente: „Alle Menschen sind gleich, es sei denn, wir entscheiden, dass du kein Mensch bist“.


Die bittere Realität verlässt Whitehead nur an einem Punkt. Die Underground Railroad ist bei ihm ein tatsächliches, unterirdisches Schienennetz mit Zugführern und allem. Eine geniale Mystifizierung eines wesentlich komplexeren Systems, das so vielen Menschen zur Freiheit verholfen hat.


Hier tut das Lesen manchmal weh, doch das muss Kunst dürfen. „Underground Railway“ ist große und mitreissende Erzählkunst. Wir können Ihnen Colson Whiteheads Roman zum Selberlesen und für den Gabentisch besonders empfehlen!

Ihre Lisa Stöhr


P.S.: Wenn Sie Underground Railroad über den Link unten bestellen, geben Sie bitte an, wenn Sie Büchergilde-KundIn sind, damit wir Ihnen die richtige Ausgabe reservieren!

Hier können Sie Underground Railroad bestellen!

7.Türchen

unseres literarischen Adventskalenders
7. Dezember 2017

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

in Diktaturen – in welcher Form auch immer – rebellisch zu sein, kann das Leben kosten. Buchstäblich wie auch im übertragenen Sinne, was zum Beispiel die Integrität betrifft.
Davon handelt auf faszinierende Weise der tolle Künstlerroman von

Julian Barnes: Der Lärm der Zeit

Nacht für Nacht sitzt der Komponist Dmitri Schostakowitsch vorm Aufzug vor seiner Wohnung und erwartet seine Verhaftung.

Eine der stalinschen Verhaftungswellen rollt über das revolutionäre Russland. Schostakowitsch wartet im Treppenhaus, um nicht vor seiner Frau und den Kindern aus dem Bett gezerrt zu werden.
Er raucht und denkt nach, erinnert sich und versucht zu rekonstruieren, wie er das Missfallen des Regimes erregt hat. Mit seiner Musik, die sich nicht beim ersten Hören erschließt und also für die Revolution nicht zu gebrauchen ist.

Repressalien, Drohungen, Erpressungen und die ganz allgemeine Angst setzen sich in ihm fest. Und der Komponist versucht sein Leben lang, sich irgendwie durch den „Lärm der Zeit“ zu winden.

Barnes Roman erzählt von einem Künstler, der in den gegebenen historischen Umständen einfach nur überleben will: einmal körperlich, dann aber auch künstlerisch und, wenn möglich, als integre Persönlichkeit.

Letzteres gelingt ihm nicht. Er lässt sich aus Angst korrumpieren, passt sich an und versucht, sich mit Ironie dabei „rein“ zu halten. Das funktioniert nicht. Je älter er wird, desto weniger. Und er durchschaut das natürlich. Zu seiner Verzweiflung.


Ein toller und kluger, sehr gut recherchierter Roman, den ich bestens empfehlen kann!

Julian Barnes: Der Lärm der Zeit
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger
Büchergilde Gutenberg, Euro 17,95
(oder Kiepenheuer & Witsch, Euro 20,00)


Ein Kunde meinte dazu, Barnes fange seine Romane häufig mit einer grandiosen Idee an, würde sich aber ständig wiederholen und seine Bücher seien dadurch zu lang. – Für diesen Roman kann ich das nicht bestätigen. „Der Lärm der Zeit“ ist in drei Teilen aufgebaut. Der Szene vor dem Aufzug folgt eine „Im Flugzeug“ und eine dritte „Im Auto“.

In allen Teilen geht es um das Ringen des Komponisten um künstlerische und / oder persönliche Integrität – und das auf verschiedenen Stufen seiner eigenen und der historischen Entwicklung. Das finde ich schon sinnig, da diese Fragen sich dabei weiter verfeinern.

Ein paar Wiederholungen von Formulierungen hätten dem Autor ruhig gestrichen werden können. Aber wirklich schlimm finde ich das nicht.

Bedauerlicher hingegen, dass er so wenig auf Schostakowitschs Musik eingeht. Vermutlich kann Barnes das einfach nicht erzählen. Und dann ist es ja konsequent, das zu lassen.


Ein schönes Portrait Schostakowitschs von Johannes Heisig finden Sie unter dem Link unten.


Und wenn Sie über den anderen Link unten "Der Lärm der Zeit" bestellen, geben Sie bitte an, wenn Sie Büchergilde-Kundin/-Kunde sind. Dann legen wir Ihnen die passende Ausgabe zurück.


Mit musikalischen Grüßen,
Ihr Oliver Fründt

Hier können Sie Der Lärm der Zeit bestellen!

Zu Johannes Heisigs Schostakowitsch-Portrait

6.Türchen

unseres literarischen Adventskalenders
6. Dezember 2017

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

wenn Sie in diesem Jahr recht brav waren, haben Sie ja sicher etwas in ihrem Schuh gefunden, in den Stiefeln, den Sneakers, in Ihren High-Heels oder einfach in den Puschen…
Mir haben die Kinder heute morgen Schokoküsse in den Schuhen versteckt. Na, das war ein Spaß, als ich die vorhin anzog – besonders für die Kinder! (Grrrrrrrrrr…)


Wen ich sowieso immer verwechsle, das sind der Nikolaus und Knecht Ruprecht. Irgendwie beide so was wie Gehilfen des Christkinds. Das arme Ding kann ja auch nicht alle Geschenke alleine schleppen, stimmt schon. Und dass der eine im Hauptberuf Bischof, der andere eben nur ungelernte Saisonkraft ist, weiß ich auch.
Hingegen noch nie habe ich die beiden Theos verwechselt: Fontane und Storm. Eigentlich ist ja heuer ein Theodor-Storm-Jahr, der wurde nämlich 1817 geboren, am 14.September in Husum.
Seine Biografie erzähle ich jetzt nicht, woll‘n ja nicht Spöken kieken…


Aber darum schicken wir Ihnen heute dieses superberühmte Gedicht mal wieder, das mit dem Wald und den Tannenspitzen, jedenfalls ein paar Verse davon.
Es gibt nämlich ein wunderschönes Bilderbuch, in dem der großartige Klaus Ensikat dieses Gedicht herrlich skurril und ganz und gar unsüß illustriert hat:

Theodor Storm / Klaus Ensikat: Knecht Ruprecht
Kindermann Verlag, „Poesie für Kinder“, Euro 15,90


Mit seinen tollen Zeichnungen versetzt Ensikat seinen Knecht Ruprecht auf den Weihnachtsmarkt einer heutigen Kleinstadt voller skurriler Nasen und nicht sonderlich sympathischer Menschen. Vor Taschendieben warnt ein Schild, also beginnt man in diesen Wimmelbildern sofort zu suchen, ob da nicht jemand einem anderen in die Tasche greift…
Ein paar Seiten weiter bekommt ein Mann gerade einen Schneeball an den Kopf, und blättert man um, sieht man das Kind, das den geworfen hat. Nichts als Rotzlöffel! Ich sag‘ Ihnen. – Richtig sympathisch und schön sind hier nur die Tiere, die Knecht Ruprecht im Wald behilflich sind.


Für Theodor Storm war Weihnachten wohl ein wirklich wichtiges Fest. Sein berühmtes Gedicht wurde in seiner Familie mit verteilten Rollen gesprochen und in kleinen Spielszenen weitergeführt. So folgt hier auch noch ein kurzer Dialog zwischen Ruprecht und einem Vater nach dem eigentlichen Gedicht.

Und, na ja, das Christkind läßt von sich hören, hält sich ansonsten aber raus. Doch man soll die Hoffnung nicht aufgeben!


Ach ja, und hier noch ein paar Verse aus

Theodor Storm:
Knecht Ruprecht

„Von drauß vom Walde komm‘ ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen;
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor,
(…)“

Wie es weiter geht, finden Sie in dem empfohlenen Bilderbuch, das für groß und kleine gleichermaßen toll ist! – Oder vielleicht kennen Sie es ja sogar noch auswendig hersagen?


„So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuss;
probiert einmal von seinen Gaben,
morgen sollt ihr was Besseres haben.
Dann kommt mit seinem Kerzenschein
Christkindlein selber zu euch herein.
Heut hält es noch am Himmel Wacht;
nun schlafet sanft, habt gute Nacht!“


Mit hoffnungsvollen Grüßen
Ihr Oliver Fründt

Hier können Sie Knecht Ruprecht von Storm und Ensikat bestellen!

5.Türchen

unseres literarischen Adventskalenders
5. Dezember 2017

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

nicht allzu rebellisch wird Anne Frank (1929 – 1945) gewesen sein, denke ich. Dabei gibt es ein wunderschönes Zitat von ihr, das vielleicht auch anderes andeutet:
„Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu ändern!“
Die Betonung liegt dabei vermutlich auf „langsam“ – wer weiß… Weil sich die Dinge, Einsichten und Einstellungen eben nur ganz allmählich wirklich ändern.


Ari Folman und David Polonsky, das Dreamteam von „Waltz with Bashir“, haben jetzt eine großartige Graphic Novel geschaffen, die auf wunderbare Weise Leben und Werk von Anne Frank zusammenbringen.


Ari Folman / David Polonsky: Das Tagebuch der Anne Frank
Graphic Diary
S.Fischer Verlag, 2017, Euro 20,00


Unsere Kollegin Jennifer Lorz hat sich das angesehen:


Das weltberühmte Tagebuch der jungen Anne Frank, das vor 70 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht wurde, hat der Fischer Verlag jetzt in einer ganz besonderen Form neu aufgelegt: als Graphic Novel oder genauer als Graphic Diary.

Passagen aus dem ursprünglichen Tagebuch werden mit Dialogen unter den Bewohnern des Hinterhauses gepaart und machen das Tagebuch grafisch lebendig. Die beeindruckenden Kompositionen von Ari Folman und David Polonsky sind so fantastisch zusammengestellt, dass man sich ganz nahe bei Anne Frank fühlt. Man erlebt quasi hautnah, wie sie sich über ihre perfekte Schwester ärgert oder sich ganz langsam in Peter verliebt.

Vor allem ihre Angst wird in den Zeichnungen oft sehr deutlich, wenn sie zum Beispiel träumt und man sieht sie im Bett liegen: umgeben von einer Brücke, auf der der Deportationszug fährt und überall noch Soldaten sind, die sie und die Brücke umzingeln.


Einige Tagebucheinträge sind komplett abgedruckt, die dann wieder durch Zeichnungen durchbrochen werden. Auch Anne Franks letzter Eintrag ist hier wortgetreu nachzulesen.

Im Anschluss gibt es eine kurze Zusammenfassung, wie es den Bewohnern des Hinterhauses nach dem letzten Eintrag erging, welches Schicksal sie und ihre Helfer erleiden mussten.

Spannend fand ich auch das Nachwort von Ari Folman in dem man einen kurzen Einblick in die Arbeit an diesem Graphic Diary bekommt.


Anne Franks Tagebuch hat mich schon vor einigen Jahren sehr berührt. Jetzt dieses Graphic Diary zu lesen, ist genauso ergreifend. Die ein oder andere Träne konnte ich mir dabei nicht verkneifen.
„Das Tagebuch der Anne Frank“ von Ari Folman und David Polonsky ist etwas ganz besonderes. Diese stimmungsvollen Zeichnungen passen so gut zu Anne Franks Aufzeichnungen.
Ich kann sie wirklich allen empfehlen, die sich für Anne Frank, ihre Geschichte und für Graphic Novels interessieren!


Und mit Anne Frank hat die Welt möglicherweise eine großartige Schriftstellerin verloren. Das war ja ihr Lebensziel, das durch ihre Ermordung so grausam verhindert wurde. Wie die Leben und Ziele so vieler unserer Mitbürger und Mitmenschen. Da kann man nur vorwärts stolpern – und nicht vergessen!

Ihre
Jennifer Lorz

Hier können Sie das graphische Tagebuch der Anne Frank bestellen!

4. Türchen

unseres literarischen Adventskalenders
4. Dezember 2017

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

eines der tollsten Bücher, das wir in diesem Jahr gefunden haben, ist – tra-raaaaa!!!! – :
Elena Favilli und Francesca Cavallo:
Good Night Stories for Rebel Girls
100 außergewöhnliche Frauen
(aus dem Englischen von Birgitt Kollmann,
Hanser Verlag, Euro 24,00)


Es hat kein besonders beeindruckende Cover. Aber wenn man es aufschlägt und durchblättert… boah! Wow, Wahnsinn:
Mit wunderschönen Portraits von 60 internationalen Künstlerinnen illustriert, werden hier ganz kurz, nämlich auf einer Seite hundert großartige, selbstbewusste Frauen und ihre Ideen, Leistungen und Visionen dargestellt. Von Pharaoninnen und Kaiserinnen, Philosophinnen, Forscherinnen, Widerstandkämpferinnen, Künstlerinnen, Indianerinnen, Sportlerinnen, Politikerinnen und so weiterinnen und so fortinnen bis zu Gewichtheberinnen, Surferinnen, Rockmusikerinnen und Rapperinnen.


Die meisten dieser Texte beginnen mit „Es war einmal ein Mädchen“, das ein bestimmtes Ziel, eine Beobachtung gemacht oder eine Vision entwickelt hatte, und enden mit einem Zitat der vorgestellten Frau und ihren Lebensdaten.

Alphabetisch geordnet nach ihren Vornamen finden sich da zwischen Ada Lovelance (Mathematikerin und Rechenmaschinenerfinderin) und Zaha Hadid (Architektin) u.a.: Angela Merkel, Coco Chanel. Evita Perron, Frida Kahlo, Isabel Allende, Jane Austen und Jane Goodall, die Marias Sibylla Merian, Montessori und Callas, Marie Curie, Nellie Bly, Sophie Scholl, Steffi Graf, Virginia Woolf – und natürlich viele andere.


Die Texte werden von tollen Bildern der Frauen begleitet, die von Künstlerinnen aus aller Welt geschaffen wurden. Das ist wunderschön und macht Spaß und Staunen!

Ach ja, und hinten gibt es auch noch Platz, um sich selber oder seine Lieblingsfrau mit einer kleinen Geschichte und einem Bild als 101. außergewöhnliche Frau mit einzubringen… Voll toll!


Das Buch wendet sich an Mädchen ab… Entscheiden Sie selbst! Ab sechs oder sieben, vielleicht auch ab acht. Das hängt von dem Mädchen ab, denke ich. Nach oben ist die Altersgrenze offen. (Der Verlag schlägt übrigens ab 12 vor; das find ich quatsch, das geht schon früher!)

Und natürlich sind die „Good Nght Stories for Rebel Girls“ auch etwas für Jungs und Männer, da viele der Zitate zu mehr Mut auf- oder herausfordern. Das braucht ja jeder Mensch!

Denn – so die US-Schriftstellerin Maya Angelou (von der ich noch nie gehört habe): „Schaut mich an und schaut euch an. Warum sollte es irgendetwas geben, was Ihr nicht könnt?“ Und: „Es geht im Leben nicht nur ums nackte Überleben, es geht darum, sich zu entwickeln, und zwar mit Leidenschaft, Mitgefühl, Humor und Stil.“ – Tolles Motto für das kommende neue Jahr und überhaupt!

Mit 100 außergewöhnlichen Grüßen,
Ihr Oliver Fründt

Hier können Sie die Good Night Stories for Rebel Girls bestellen!

2. und 3. Türchen

unseres literarischen Adventskalenders
2. Dezember 2017


Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

gestern sprach der unbekannte Engel zu Ihnen. Heute tritt ein Racheengel auf – vielleicht…
Der aktuelle Band aus der wunderbaren „Weltlese“-Reihe der Büchergilde (herausgegeben von Ilja Trojanow) liest sich nämlich nicht nur wie ein Krimi. Er ist auch einer. Die Betonung liegt dabei auf dem „auch“: ein Gesellschaftsportrait, eine Vater-Sohn-Geschichte, ein Beziehungsthriller und eben auch ein Krimi!!


Arnoldo Gálvez Suárez: Die Rache der Mercedes Lima
Aus dem guatemaltekischen Spanisch von Lutz Kliche
Büchergilde Gutenberg, Euro 22,95
(für Nichtmitglieder in der Edition Büchergilde, Euro 25,00)

Dies ist ein hochkomplexer, dicht erzählter, großartiger und großartig spannender Roman aus einem kleinen Land mit einer fürchterlich brutalen Geschichte – und einem fürchterlichen und oft ebenso brutalen Machismo! Und es geht um beides.

Das erste Kapitel heißt „Erinnerst du dich noch an sie, Daniel?“ Es beginnt mit der Erinnerung daran, wie ein kleiner Junge seinen Vater zum letzten Mal sieht, bevor der am nächsten Tag ermordet wird. Doch warum ist er jetzt schon voller Blut und so verstört? Warum weint er wie ein Kind?

Und im nächsten Abschnitt erzählt der Fotograf Alberto Rodríguez seinem Bruder Daniel, wie er zwanzig Jahre später die damalige Studentin ihres ermordeten Vaters in einem Supermarkt sieht. Es kommt zu einem kurzen Gespräch, danach läuft diese Mercedes Lima geradezu vor ihm davon. Warum?
Er hastet ihr hinterher, erfährt dadurch, wo sie wohl wohnt, und wird danach immer wieder in diese Gasse zurückkehren. Er will mehr wissen. Er ahnt, daß Mercedes Lima mehr über den Mord an seinem Vater weiß – daß sie so etwas wie den Schlüssel dazu hat.


„Die Rache der Mercedes Lima“ erzählt in wechselnden Perspektiven die Geschichte des Geschichts-Dozenten Daniel Rodríguez Mena und seines Sohnes, des Fotografen Alberto.
Der Vater hat während Studentenunruhen Sex mit einer Studentin. Diese wird unmittelbar danach verhaftet, und er liest kurz darauf in der Zeitung von ihrem grausigen Tod in den Folterzellen des Regimes. „Tun Sie etwas, Herr Dozent!“ hatte sie noch versucht, ihn zu politischem (oder überhaupt zu irgendeinem!) Handeln aufzurütteln. Und er hat nicht einmal daran gedacht, sie zu beschützen, als sie danach das Stundenhotel verließ.

Das lässt ihn nicht los. Und so versucht er einige Jahre darauf, sein Unvermögen in einer ganz anderen Situation wieder gut zu machen. Als ein brutal aussehender Typ ihn nach seiner Studentin Mercedes Lima fragt und ihm mit der Bemerkung „Nicht aufregen, Prof!“ droht, sieht er die Gelegenheit dazu gekommen. Mit fatalen Folgen – für ihn, für seine Söhne, vielleicht auch für Mercedes Lima.

Der Sohn versucht unbedingt und wie besessen, etwas über die Umstände und Gründe des Mordes an seinem Vater herauszufinden. Seine Mutter hat darüber nicht gesprochen und Alberto und Daniel in dem Glauben gelassen, ihr Vater wäre aus politischen Gründen ermordet worden: ja, jein… Und Albertos Suche hat ebenfalls fatale Folgen: für ihn, für seine Beziehung mit Luisa und – vielleicht auch für Mercedes Lima?


Arnoldo Gálvez Suárez erzählt großartig komplex davon, wie sich in einer Gesellschaft, die vom Terror regiert wird, eine eigenartige und hochgefährliche Mischung aus politischem und moralischem Handeln mit Angst und sexueller Begierde, schlechtem Gewissen wegen beidem und dem Wunsch, sich gut zu verhalten, sowie dem Unvermögen, das zu realisieren, ergeben kann – ein Pulverfass, das irgendwann hochgehen muss. Ein Tanz auf dem Grat eines Vulkans, bei dem der Absturz nicht zu verhindern ist!
Die Musik dazu stammt von den Rolling Stones, u.a. von einer Band „Los Rolins“ in einer halbseidenen Kneipe gecovert. – Aber das nur am Rande!

Ein unglaublich tolles, spannendes, literarisch erstklassiges Buch, dem wir viele Leserinnen und Leser wünschen!

Mit rollenden Grüßen,
Ihr Oliver Fründt


P.S.: Der Bestell-Link unten linkt auf die "normale" Buchhandelsausgabe. Wenn Sie die Büchergilde-Ausgabe haben möchten, geben Sie bitte an, dass Sie Mitglied sind. Dann legen wir das richtige Buch für Sie zur Abholung bereit


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1.Türchen

unseres literarischen Adventskalenders
1. Dezember 2017

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

woran ich seit Jahren denke und immer wieder vergesse, ist, dass heute am ersten Dezember auch der Welt-AIDS-Tag ist. Und ich weiß nicht wieso, ich assoziiere damit immer einen Engel.

Da wir Ihnen ab heute bis Weihnachten ja wieder an jedem Werktag unseren „literarischen Adventskalender“ mit Buchtipps, Geschenkideen, Liedern und Gedichten schicken, ist hier also gleich mal ein Gedicht:


Rafael Alberti: Der unbekannte Engel

Heimweh nach den Erzengeln!
Ich war…
Schaut mich an.

Gekleidet bin ich in weltläufigem Stil,
die Flügel sieht man mir nimmer an.
Niemand weiß, wie ich gewesen.
Sie kennen mich nicht.

In den Straßen – wer erinnert sich noch?
Feste Schuhe sind nun meine Sandalen.
Statt der Tunika trage ich Tweedjacke
und Hosen.
Sag mir, wer ich bin.

Und dennoch, ich war…

Schaut mich an.


Gefunden habe ich dieses Gedicht in dem tollen Kalender „Fliegende Wörter 2017“. Dort ist es auch noch traumschön per Layout gestaltet.
Den Postkarten-Kalender „Fliegende Wörter“ gibt es auch für 2018: „53 Qualitätsgedichte zum Verschreiben und Verbleiben“ lautet der Untertitel (Daedalus Verlag, Euro 16,95).
Und tatsächlich ist es jede Woche wieder ein Vergnügen, ihn umzuschlagen, ein neues Gedicht für die Woche zu lesen und zu überlegen, wem das letzte Gedicht als Postkarte schicken könnte.
Und ein wunderschönes Geschenk sind die „Fliegenden Wörter“ auch!

Mit lyrischen Engelsgrüßen,
Oliver Fründt

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