Der Blog

49 Wochen, 49 Bücher

Ein Liebesroman – und zwar ein sehr scheuer
16. April 2018

Sie ahnen es, diese Leseherausforderung der Indieverlage schlägt einen Liebesroman vor, und au ja, die Liebe, super, die ist doch jeden Tag wieder eine Herausforderung… Nicht wahr?

Aber was, wenn einer die gar nicht so kennt oder diese ganze Sache für sich schon fast abgeschlossen hat und sich deshalb lieber, und aus allerlei Gründen, in sich und seinem wohlgeregelten Alltag verschließt? So wie Herr Grundmann. Und dann steht eines Tages ein Bett vor dem Haus, in dem er bis dahin still und alleine (und mit seinem Hund namens Königsberg) gewohnt hat. Und ein Umzugswagen. Und lauter Möbel. Und eine Frau. „Franziska“, stellt sie sich vor. Und er murmelt „Grundmann“.

Sie ist auch noch Klavierlehrerin. Und daß sie da nun in der Wohnung über ihm lebt, Klavierunterricht gibt oder selber spielt, erkältet ist, hustet, eine Reise unternimmt und ihn bittet, die Blumen für sie zu gießen, und all das, was Nachbarschaft eben ausmacht – das bringt ihn ins grübeln und nachdenken und sich erinnern und reflektieren. (Ja, da fehlt noch was!) Und auch ins fühlen, spüren und sich heimlich, still und leise ganz dolle verlieben – auch wenn das hier nie so genannt wird.


Frauke Tuttlies hat mit „Herr Grundmann sagt Franziska“ einen wunderbar kauzigen, stillen, kleinen, großartigen Liebesroman geschrieben! Ich dachte zuerst, der handle von einem alten Mann – aber das stimmt irgendwie nicht. Allenfalls ist der Herr Grundmann innerlich alt.

Jeder der Abschnitte fängt mit „Wenn Herr Grundmann Franziska sagt“ an. Und dann geht es um, wie erwähnt, seine Gedanken, Überlegungen, Verknöchert- und Verrückheiten. – Und am Ende sagt er wirklich „Franziska“ und zwar endlich auch wirklich zu ihr.
Man klappt das Buch zu und denkt: „Hoffentlich kriegen sie sich!“, denn das ist überhaupt nicht gesagt…


Tolles Buch! Auch grad jetzt für die Frühlingsgefühle. Haben Sie noch welche?

Herzliche Liebesgrüße,
Ihr Oliver Fründt

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Haruki Murakami

Teil 2 von „Die Ermordung des Commendatore“ erschienen!
15. April 2018

Soeben ist der zweite Teil von Murakamis neuem Romanwerk erschienen. Teil 2 heißt im Untertitel „Eine Metapher wandelt sich“.

Wie schon bei Band 1 „Eine Idee erscheint“ ist die Erstauflage wieder mit einem blauen Seitenschnitt versehen. (Von der Erstauflage des ersten Teils haben wir auch noch drei Stück – falls Sie die noch haben wollen: bestellen Sie bitte schnell!)


Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore
Teil 2 – Eine Metapher wandelt sich
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Dumont Verlag, 2018, Euro 26,00

Hier können Sie Die Ermordung des Commendatore Teil 2 bestellen!

Und hier Band 1.

50 Wochen, 50 Bücher

CHINABOX
13. April 2018

Die Indiebookherausforderung fragt nach einem Buch, das in einem Land mit C spielt. Lyrik spielt nirgendwo und überall.

In „Chinabox. Neue Lyrik aus der Volksrepublik“ sind Gedichte von zwölf Lyrikerinnen und Lyrikern versammelt und erstmals in Deutsche übersetzt. Die Anthologie zeigt die große Vielfalt und Bandbreite der zeitgenössischen chinesischen Poesie: „Der chinesische Kanon trifft auf die europäische Moderne, Gesellschaftskritik auf Sprachspiele, Industrie auf Akademie“, wie es in einem Text dazu heißt.

Und ein superschön gestaltetes Buch ist das auch: eine griffige Broschur mit einem Kartonumschlag, der die vielbeschworene „Haptik“ echter Bücher wirklich anfassbar macht, schickes Layout, Illustrationen von Yumeng Wu, zweisprachig Chinesisch und Deutsch – von vorne und hinten zu lesen.
(Wo vorne oder hinten ist, entscheiden Sie bitte selbst! Vielleicht anhand Ihrer Sprachkenntnisse, falls Sie in diesem Punkt unsicher sein sollten… Nur ein Vorschlag.)


Chinabox. Neue Lyrik aus der Volksrepublik“
hrsg. von Lea Schneider
Verlagshaus Berlin, 2016
Euro 24,90


Eine Kostprobe – ein Gedicht, das mir besonders gut gefällt von der Lyrikerin

Ming Di:

Blätter im Meer

Aus der Sicht des Wassers ist das Meer ein Baum:
Fische treiben wie Blätter darin.

Ihr fließt in verschiedene Richtungen, sagst du, die eine zum Himmel
der andere zur Erde, die eine hat Glauben, der andere hat ihn

so wenig wie ich, auch wenn ich dir glaube, ein Kind
das in den Himmel schaut, seit 25 Jahren, seit du gingst

fliegen Fische hinauf, jede Nacht. Manche fallen, manche bleiben,
die Flossen gefaltet, die stärksten von ihnen im großen Bär.

Schaust du hinab in meine Augen, wirst du andere Sterne sehen –
sie ruhen auf meiner Netzhaut: Bäume, die wissen, was Mitleid ist.


(Oliver Fründt)

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51 Wochen, 51 Bücher

Ein Hotelroman: Olivia Manning, Abschied von der Unschuld
7. April 2018

Die Indiebookchallengevorschlagsliste schlug vor, in dieser Woche einen Roman vorzustellen, in dem ein Hotel eine Rolle spielt. (siehe hier im Blog am 25.März 2018) Wir haben uns so den Kopf zerbrochen und nach einem gesucht, und dann einen gefunden, in dem immerhin eine Pension den Schauplatz bietet:

Olivia Mannings großartiger Roman „Abschied von der Unschuld“ – und der ist vor fünf Jahren sogar bei der Büchergilde erschienen!


Felix, ein britischer Teenager, kommt gegen Ende des zweiten Weltkriegs in eine Pension in Jerusalem. Geführt wird sie von einer entfernten Verwandten, die hauptsächlich auf ihren finanziellen Vorteil aus ist.

Unter den anderen Gästen der Pension finden sich viele Flüchtlinge, auf Zeit hier gestrandet, mit sich selbst und ihrem Schicksal so sehr beschäftigt, dass niemand sich groß um den Jungen kümmert.
Nur zu der Siamkatze Faro entwickelt er ein vertrautes Verhältnis. Bis die junge Mrs. Ellis einzieht…


Olivia Manning (1908 – 1980) gelang mit diesem Roman 1951 ihr Durchbruch als Schriftstellerin. Der Originaltitel lautet „School for Love“, und die Büchergilde-Ausgabe in der Weltlese-Reihe von 2013 ist tatsächlich die erste Übersetzung ins Deutsche. – Eine echte Entdeckung!

Abgebildet ist die Ausgabe der „Edition Büchergilde“ (Euro 22,95), die Ausgabe der Büchergilde Gutenberg Buchgemeinschaft kostet Euro 19,95.
Bei Ihrer Bestellung geben Sie bitte an, ob Sie Mitglied der Buchgemeinschaft sind, dann legen wir Ihnen die passende Ausgabe zurück. – Danke!


Hier können Sie Abschied von der Unschuld bestellen

und hier finden Sie die Empfehlung von Lisa Stöhr auf dieser Webseite!