Der Blog

Was einem so verloren gehen kann...

... beim Holzschnitt.
26. Juli 2017

Es gibt sehr, sehr, sehr viele Möglichkeiten eine Druckgrafik herzustellen. Für mich ist der Holzschnitt in der „Verlorenen Form“ eine der faszinierendsten.

Was ein Holzschnitt ist, ergibt sich ja einigermaßen aus dem Namen: eine Grafik, die von einer Holzplatte gedruckt wird. Nun muss in der Druckgrafik aber jede Farbe einzeln gedruckt werden, was bei den meisten farbigen Grafiken bedeutet, dass sie von mehreren Platten gedruckt wird.

Nicht so bei der verlorenen Form, denn hier werden alle Farben von der gleichen Platte gedruckt. Die Künstlerin oder der Künstler druckt zunächst alle Blätter der Auflage in der ersten Farbe. Dann werden Teile aus der Platte geschnitten, die im folgenden Druckgang (mit der zweiten Farbe) nicht mehr mitdrucken und so, Druckgang für Druckgang, das Motiv entsteht und die Platte „verloren“ geht.

Toll ist daran, dass am Ende noch ein zusätzliches Kunstwerk entstehen kann, nämlich der bemalte Druckstock, auf dem haptisch noch die letzte Variante des Motivs zu erfühlen ist.
Hier abgebildet Grafik und Druckstock von Klaus Süß)

Manchmal habe ich aber die Vorstellung, was wohl passiert, wenn der Künstler beim letzten Druckgang feststellt, dass er sich verschnitzt hat…

(Lisa Stöhr)

Link zur Grafik

Link zum Druckstock

Tolle Lesung mit Yvonne Adhiambo Owuor

Ein kurzer Bericht für alle, die nicht dabei sein konnten
6. Juli 2017

Wir durften den Büchertisch beim Weltempfänger-Salon der Litprom betreuen. Das ist immer schön, weil diese Lesungen oder Buchpräsentationen jedes Mal sehr lebendig und anregend sind. Ich habe da schon viele tolle Bücher und ihre Autorinnen und Autoren für uns entdeckt.

Auf die Lesung mit Yvonne Adhiambo Owuor habe ich mich besonders gefreut, da ich ihren Roman „Der Ort, an dem die Reise endet“ (engl. Titel: „Dust“, von Simone Jakob hervorragend übersetzt) gerade mit großer Faszination und Begeisterung lese. Und die Vorfreude wurde nicht enttäuscht.

Gleich zu Anfang kam es zu dem wahrscheinlich eher seltenen Fall, dass die Autorin erstmal ihr eigenes Buch gekauft hat. Sie hatte ihr Exemplar von „Dust“ nämlich vergessen und war heilfroh, dass wir neben den beiden deutschsprachigen Ausgaben auch die englische Originalfassung dabei hatten.

Yvonne Adhiambo Owuor ist eine sehr sympathische, herzliche und temperamentvolle Frau, die ein großartiges, ich glaube sogar, wirklich großes Buch geschrieben hat. Ich finde es wenig eingängig, aber sehr faszinierend.
(Das war unbedingt eine Empfehlung! Denn es gibt Bücher, die sich nicht so leicht erschließen, bei deren Lektüre man jedoch sofort spürt: das liegt nicht am Buch – das ist Weltliteratur, und die kann gar nicht immer leicht zu lesen sein.)

Owuor las den Anfang auf Englisch, der Schauspieler und Sprecher Jochen Nix las direkt im Anschluss den Text auf Deutsch weiter. Schon in diesen kurzen Ausschnitten wurde die poetische Kraft und Intensität dieses Romans wunderbar deutlich.
Danach gab es Fragen und Diskussion mit der Literaturkritikerin Claudia Kramatschek, die den Abend wunderbar moderierte und übersetzte. Es hat mich schwer beeindruckt, wie sie die teilweise langen Ausführungen und Antworten kompakt auf Deutsch zusammengefasste.

Einmal meinte sie, in dem Buch ginge es ja um die Suche, alle Figuren suchten nach etwas… Die Autorin guckte ganz irritiert und sagte, das hätte sie noch gar nicht so gesehen und überhaupt nie daran gedacht und das auch nicht beabsichtigt. – Kurzes Stocken. – Aber stimmt, eigentlich sei das offenkundig.
Die Suche nach der Wahrheit. Und wenn man die Wahrheit findet, sei das wie Nachhause zu kommen. Man fühle sich dann darin geborgen. Das fand ich gut gesagt.

Entsprechend dem Romanthema ging es darüber hinaus viel um kenianische Geschichte seit der Unabhängigkeit 1963 und wie sich die zunächst eindimensional positive Geschichtsschreibung auf die nachfolgenden Generationen auswirkte – vor allem, nachdem schwelende Konflikte bei den Unruhen 2006/07 wieder aufbrachen.

Fünf der Büchergilde-Ausgaben haben wir von Owuor signieren lassen. Wer eines davon kaufen möchte, muss sich also beeilen!

Durch den milden Abend nach Hause zu radeln, war dann wunderschön. Der Dreiviertel-Mond stand über der Stadt und verbreitete eine friedliche Stimmung.

(Oliver Fründt)